Brittas Kunstkritik

 

|Home

|Filmkritik

|Musikkritik

|Eventkritik

|Persönliches

|Link

|Gäste

 

Traffic - Die Macht des Kartells

Zwischen dem Andreas und mir hat sich das so eingebürgert, daß ich ihn immer zum Kino abhole. Das wundert Euch bestimmt, denn Ihr haltet mich ja alle für eine egoistische Zicke. Da seht Ihr mal, daß Ihr besser nicht so vorschnell urteilt. Aber egal, da steh ich ja drüber.

Also, ich holte den Andreas ab. Er wartete bereits am Straßenrand, und er sah einfach cool aus: Blonde Stoppelhaare, riesengroße schwarze Sonnenbrille, schwarze Lederjacke, enge Jeans. Ich habe dann leider den Fehler begangen und ihn gelobt. Da hat er mir seine neue Uhr gezeigt. Viereckig und länglich, und statt eines Lederarmbandes eine Kette. Sah supercool aus, aber das wollte ich ihm mal besser nicht auf die Nase binden.

Wir gehen also ins Kino und haben keinen Plan, in welchen Film wir gehen sollen. Ich schlage ihm Traffic vor. Als wir bezahlt haben, fängt er an zu meckern und hört gar nicht mehr auf. Wir hätten doch in diesen Film gehen können oder jenen, warum denn gerade in Traffic. Ich dachte schon, das nimmt kein Ende. Aber statt ihm eine ordentliche Szene zu machen (und leider hatte ich ihn ja anfangs wegen seines Outfits gelobt), habe ich ihn mal ein bißchen bezirpst, da hat er dann Ruhe gegeben.

Als der Film anfing, dachte ich, ich bin in einem B-Movie oder Helge-Schneider-Film. Was für eine schlechte Kameraführung, was für miese Farben!! Aber je länger der Film dauerte, umso mehr nahm er mich gefangen. Ein bißchen erinnerte er mich an American Psycho, weil es ja allen Personen ziemlich dreckig geht in Traffic. Aber daß der Hauptdarsteller, der mexikanische Polizist, sein beleuchtetes Basketballfeld kriegt, damit die Kinder nachts keine Angst mehr haben, das fand ich supertoll. Und daß Michael Douglas seinen Karrierejob hinschmeißt, damit er seiner drogenkranken Tochter in ihrer Selbsthilfegruppe hilft, das fand ich so schmalzig, das passt ja einfach zu Michael Douglas.

Als im Kino das Licht wieder anging, da sah der Andreas so komisch aus. Meckerte gar nicht mehr herum. Ich dachte noch: Siehste, Junge, gut, daß du auf mich gehört hast und wir nicht in einen anderen Film gegangen sind. Da fing er an, zu erzählen, wie wichtig es doch wäre, daß Drogen freigegeben würden. Ich dachte, ich hör nicht recht! Er meinte: Wenn die Drogen freigegeben würden, dann würde die ganze Mafia, die dahintersteckt, wegfallen. Und die ganze Kriminalität.

Ich hab´s dem Andreas nicht gesagt, aber so was Absurdes habe ich schon lange nicht mehr gehört. Denn wenn sich Jemand nicht im Griff hat und zu Drogen greift, dann hilft das überhaupt nichts, wenn die freigegeben sind!! Nein, so was gehört bekämpft!! Da wäre ich nie für!! 

Wertung: Auch wenn mir der Andreas nachher fast die Stimmung versaut hätte - 10 Britta-Punkte.

 

 

Copyright © 1998 - 2004 by Britta Gespalten [www.kunstkritik.de]

Copyright-Vermerk: Die Veröffentlichung von Bildern und Texten in gedruckter oder elektronischer Form bedürfen der schriftlichen Genehmigung durch Britta Gespalten. Dies beinhaltet die unveränderte Übernahme sowie solche in Verbindung mit anderen Texten oder Bildern als auch in abgewandelter Form.